Ein Indikator erzeugt keine neue Information
Ein Indikator ist eine Rechenvorschrift auf bereits vorhandenen Kursdaten – meist eine Glättung, ein Vergleich oder eine Normierung. Er kann Bekanntes anders darstellen, aber nichts hinzufügen, was nicht in den Kursdaten steckt.
Die Formel nachrechnen
Der einfache gleitende Durchschnitt (SMA) ist die Summe der letzten n Schlusskurse geteilt durch n. Das CME-Group-Lehrmaterial rechnet das an drei Schlusskursen vor: 45,50 + 45,25 + 46,10 = 136,85; geteilt durch 3 ergibt 45,62.
Der exponentielle gleitende Durchschnitt (EMA) gewichtet neuere Werte stärker. Der Multiplikator lautet 2 / (1 + n); für n = 14 also 2 / 15 = 0,133. Der neue Wert ergibt sich aus aktuellem Preis mal Multiplikator plus vorherigem EMA mal (1 − Multiplikator). Mit einem Startwert von 46,60 und einem aktuellen Schlusskurs von 46,75 ergibt das 46,63.
Wichtig an dieser Rechnung ist nicht das Ergebnis, sondern was sie zeigt: Der Wert entsteht vollständig aus vergangenen Preisen und einer festen Gewichtung.
Verzögerung ist Definition, nicht Mangel
Bei einem einfachen Durchschnitt über 20 Perioden trägt die älteste Periode ein Zwanzigstel des Werts. Ein einmaliger Kurssprung beeinflusst den Wert so lange, bis er aus dem Fenster fällt – bei n = 20 also 20 Perioden lang.
Daraus folgt: Ein geglätteter Wert vollzieht eine Bewegung nach, nachdem sie stattgefunden hat. Wer eine schnellere Reaktion möchte, verkleinert n und erhält dafür mehr Richtungswechsel. Das ist ein Tausch, keine Verbesserung.
Gleiche Daten, keine unabhängige Bestätigung
Weil alle Indikatorfamilien dieselben Kursdaten verwenden, sind ihre Ausgaben nicht unabhängig voneinander. Drei übereinstimmende Linien derselben Familie bestätigen im Wesentlichen dieselbe Rechnung dreimal. Der Eindruck zusätzlicher Sicherheit entsteht durch Wiederholung, nicht durch neuen Informationsgehalt.
Formel und Deutung sauber trennen
Dieselben Lehrunterlagen, die die Formeln korrekt angeben, enthalten daneben Deutungen: Ein längerer Durchschnitt biete „stärkere“ Unterstützung als ein kürzerer, ein Schnitt der kurzen über die lange Linie gelte „allgemein“ als bullisch, und bei einer Rückkehr an eine Linie bestehe eine „gute Chance“, dass sie hält.
Diese Sätze sind keine Rechenaussagen, sondern Erwartungsbehauptungen. Für sie gilt derselbe Maßstab wie für jede quantitative Aussage: Sie brauchen einen dokumentierten Datensatz, einen definierten Zeitraum, vorab formulierte Regeln, Kostenannahmen, getrennte Prüfdaten und eine gezählte Ausschlussmenge. Solange das fehlt, sind sie unbelegt.
HerzTrading übernimmt sie deshalb nicht. Die Formeln sind nachprüfbar und werden hier verwendet; die Deutungen sind Beispiele für Aussagen, die du selbst prüfen müsstest, bevor du sie zur Regel machst.
Übung ohne Speicherung
Wähle einen Indikator, den du bereits nutzt, und beantworte schriftlich vier Fragen: Welche Eingangsdaten verarbeitet er? Welche Verzögerung entsteht rechnerisch aus seiner Formel? Welche Frage soll er beantworten, die der reine Kurs nicht beantwortet? Welcher andere von dir verwendete Indikator nutzt dieselben Daten?
Wenn die dritte Frage unbeantwortet bleibt, ist das ein Ergebnis: Der Indikator trägt zu deiner Entscheidung derzeit nichts bei.
Erhöhtes Risiko
Risikohinweis und Zweck dieses Inhalts
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