Drei getrennte Säulen der Infrastruktur
Im professionellen Futures-Handel sind Software, Marktdaten und Kontoführung häufig getrennt. Ein Händler wählt diese Komponenten unabhängig voneinander aus:
- Die Frontend-Plattform: Die Software für Chartdarstellung, Orderaufgabe und DOM (z. B. TradingView, NinjaTrader, Sierra Chart oder Quantower).
- Der Datenfeed: Die Verbindung zur Börse, die Preisaktualisierungen und Orderbuchstände in Echtzeit streamt (z. B. Rithmic, CQG oder Interactive Brokers Daten).
- Der Broker / FCM (Futures Commission Merchant): Das Finanzinstitut, das das Kundenkonto führt, Margin-Anforderungen überwacht und Aufträge an das Clearing-System weiterleitet.
Wer diese Rollen verwechselt, sucht bei Fehlfunktionen oder Verbindungsaussetzern oft an der falschen Stelle nach der Ursache.
Level-1 versus Level-2 Marktdaten
Börsen bieten Kursdaten in unterschiedlicher Informationstiefe an, die getrennte monatliche Börsengebühren nach sich ziehen:
- Level-1 (Top of Book / BBO): Übermittelt ausschließlich das beste Kaufangebot (Best Bid), das beste Verkaufsangebot (Best Ask) und den zuletzt ausgeführten Trade (Last Sale). Für reine Chartanalyse und Swing-Trading auf höheren Zeiteinheiten reicht Level-1 in der Regel aus.
- Level-2 (Depth of Market / DOM): Zeigt zusätzlich die unvollständigen, passiven Limit-Orders auf mehreren Preisebenen oberhalb und unterhalb des Marktes. Wer kurzfristig handelt oder Warteschlangen über Formate wie Market by OrderMarket by Order und Market by Price MBO ist ein orderbasiertes Datenformat mit einzelnen Orders über alle Preisebenen, MBP ein preisbasiertes Format mit höchstens zehn aggregierten Ebenen. (MBO) analysiert, benötigt zwingend Level-2-Daten.
Datenfeed-Technologie: Tick-by-Tick vs. Conflated Feeds
Nicht jeder Datenfeed verarbeitet Marktdaten auf dieselbe Weise:
- Ungefilterte Tick-by-Tick-Feeds (z. B. Rithmic): Jeder einzelne Trade und jede Orderbuchaktualisierung wird unverzüglich übermittelt. Dies erfordert eine stabile Internetleitung mit hoher Bandbreite und geringem Paketverlust.
- Aggregierte bzw. Conflated Feeds (z. B. CQG oder Web-Plattformen): Schnelle Preisänderungen werden in engen Zeitintervallen (z. B. alle 100 bis 250 Millisekunden) zusammengefasst. Für herkömmliche Candlestick-Charts ist dies völlig ausreichend, für präzises Orderflow-Trading jedoch ungeeignet.
Latenz und Serverstandorte
Latenz beschreibt die Zeitspanne, die ein Signal von deinem Computer bis zum Matching-Engine der Börse benötigt.
- Für US-Märkte (CME Group) stehen die primären Matching-Server in Chicago (Aurora Datenzentrum).
- Für europäische Märkte (Eurex) befindet sich die Infrastruktur in Frankfurt am Main.
Ein Händler in Europa hat nach Chicago eine physisch bedingte Latenz von ca. 90 bis 120 Millisekunden. Wer diese Verzögerung verringern will, nutzt einen virtuellen Server (VPS) mit direktem Routing in der Nähe des jeweiligen Börsenrechenzentrums.
Notfallprozedere bei Verbindungsabbruch
Jede Internetverbindung und jede Handelssoftware kann ausfallen. Ein professioneller Aufbau beinhaltet daher immer ein dokumentiertes Notfallverfahren:
- Telefonnummer des Notfall-Handelsdesks (Trade Desk) des Brokers griffbereit auf Papier notieren.
- Eine sekundäre Notfall-App auf dem Smartphone mit mobiler Datenverbindung eingerichtet haben.
- Schriftlich festhalten, welche Kontonummer und Sicherheitsangaben bei einem Anruf genannt werden müssen, um eine offene Position im Notfall manuell schließen zu lassen.
Übung ohne Speicherung
Prüfe die Dokumentation deines aktuellen oder geplanten Handelsaufbaus:
Notiere auf Papier: Handelt es sich bei deinen Kursdaten um Level-1 oder Level-2? Welcher Datenfeed streamt die Daten? Wo sitzt der Routing-Server? Welche Notfallnummer des Brokers ist bei einem totalen Strom- oder Internet-Ausfall anzurufen?
Erhöhtes Risiko
Risikohinweis und Zweck dieses Inhalts
Dieser Beitrag beschreibt Vorgehensweisen, deren Anwendung Geld kosten kann. Er enthält keine Handlungsempfehlung.
- Keine Anlageberatung. HerzTrading ist ein Bildungsangebot. Wir kennen weder deine Vermögenslage noch deine Ziele oder deine Risikotragfähigkeit und geben keine auf dich zugeschnittene Empfehlung ab.
- Verlustrisiko. Der Handel mit Finanzinstrumenten kann zu erheblichen Verlusten führen. Bei gehebelten Produkten kann der Verlust ein Vielfaches des eingesetzten Betrags erreichen und über den Einsatz hinausgehen.
- Keine Erfolgszusage. Kein Inhalt auf dieser Seite behauptet eine Trefferquote, einen Erwartungswert oder eine erreichbare Rendite. Beobachtungen aus der Vergangenheit belegen keine künftige Wertentwicklung.
- Eigene Prüfung nötig. Regeln von Broker, Handelsplatz und Steuerrecht unterscheiden sich. Prüfe die für dich geltenden Bedingungen selbst und ziehe bei Bedarf eine qualifizierte, unabhängige Beratung hinzu.
- Nur Geld einsetzen, dessen Verlust du tragen kannst. Handle nicht mit Mitteln, die du für Lebenshaltung, Miete, Kredite oder Rücklagen brauchst.
Dieser Kasten fasst zusammen. Verbindlich ist der vollständige Risikohinweis.