Plattformwissen

Datenfeeds und Datenqualität einordnen

Diese Erklärung beschreibt, woher Kursdaten stammen, welche sechs Angaben eine Datenquelle beschreiben und warum unterschiedliche Feeds zu abweichenden Charts führen.

Ein Chart ist kein Markt, sondern eine Lieferung

Was du im Chart siehst, ist das Ergebnis einer Datenlieferung: Ein Anbieter hat Transaktionen erfasst, gefiltert, zeitlich zugeordnet und an deine Software übergeben. Jeder dieser Schritte kann sich zwischen zwei Anbietern unterscheiden.

Deshalb ist die Frage „Welcher Feed ist der richtige?“ weniger nützlich als die Frage „Welchen Feed verwende ich, und was folgt daraus für meine Auswertung?“.

Sechs Angaben beschreiben eine Datenquelle

  1. Herkunft – Referenzbörse, Datenanbieter oder der Handelspartner selbst.
  2. Aktualität – Echtzeit oder verzögert; verzögerte Daten machen kurzfristige Analysen unbrauchbar.
  3. Umfang – werden außerbörsliche Umsätze einbezogen? Das verändert Hochs, Tiefs und Volumen.
  4. Zeitbasis – welche Zeitzone verwendet die Darstellung, und wie werden Zeitumstellungen behandelt?
  5. Lückenbehandlung – wie werden Feiertage, Handelsunterbrechungen und fehlende Intervalle dargestellt?
  6. Zusammensetzung – bei fortlaufenden Kontrakten: wann und nach welcher Regel wird gerollt?

Diese sechs Angaben gehören einmal je Instrument in deine Notizen, mit Abrufdatum. Ohne sie ist eine spätere Auswertung nicht reproduzierbar - weder für dich noch für jemand anderen.

Warum zwei Charts desselben Instruments abweichen

| Ursache | Sichtbare Folge | |---|---| | Unterschiedliche Handelsplätze in der Datenbasis | abweichende Hochs, Tiefs und Umsätze | | Ein- oder Ausschluss außerbörslicher Umsätze | andere Extrempunkte, besonders in Randzeiten | | Abweichende Zeitzone oder Sessiondefinition | verschobene Tages- und Sessiongrenzen | | Andere Rollregel bei fortlaufenden Kontrakten | Sprünge oder Angleichungen im historischen Verlauf | | Preisstellung des Anbieters statt Börsenpreis | eigener Kursverlauf, der vom Basiswert abweichen kann |

Die letzte Zeile ist besonders relevant für Zertifikate, Optionsscheine und CFDs. Die BaFin stellt dazu klar, dass Emittenten und Market Maker ihre Preise nicht nach einem festen finanzmathematischen Modell festlegen müssen und ihre Pflichten sich aus Prospekt und endgültigen Bedingungen ergeben. Ein abweichender Verlauf gegenüber dem Basiswert ist also nicht zwingend ein Fehler, sondern eine Eigenschaft des Produkts.

Handelskalender ist Teil der Datenqualität

Feiertage, verkürzte Handelstage und Auktionszeiten erzeugen unvollständige oder ungewöhnliche Intervalle. Die Deutsche Börse veröffentlicht für Xetra einen eigenen HandelskalenderHandelskalender Der Handelskalender eines Handelsplatzes nennt Feiertage, verkürzte Handelstage und Auktionszeiten – sie erzeugen Lücken und ungewöhnliche Intervalle.; vergleichbare Kalender existieren für andere Handelsplätze.

Trage die für deinen Untersuchungszeitraum relevanten Sondertage vorab in deine Notizen ein. Ein unbemerkt verkürzter Handelstag in einer Auswertung erzeugt Kerzen, die sich nicht mit den übrigen vergleichen lassen.

Was das für Auswertungen bedeutet

  • Ein Ergebnis, das auf einer Datenquelle entsteht, gilt zunächst nur für diese Datenquelle.
  • Ein Wechsel des Anbieters mitten in einer Testreihe beendet die Reihe.
  • Wer eine quantitative Aussage formuliert, nennt Datenanbieter, Instrument, Auflösung, Zeitraum und Zeitzone - sonst ist sie nicht überprüfbar.
  • Bekannte Datenlücken werden gezählt und genannt, nicht stillschweigend übersprungen.

Datenblatt zum Ausfüllen

Lege je Instrument ein Blatt an:

  • Instrument, Handelsplatz und Datenanbieter;
  • Echtzeit oder verzögert, mit Angabe der Verzögerung;
  • außerbörsliche Umsätze enthalten: ja, nein oder unbekannt;
  • Zeitzone der Darstellung und Zeitzone meiner Notizen;
  • Rollregel bei fortlaufenden Kontrakten;
  • bekannte Sondertage im Untersuchungszeitraum;
  • Abrufdatum aller Angaben.

Ein Feld mit „unbekannt“ ist eine zulässige Antwort - es zeigt nur, welche Aussagen du auf dieser Datenbasis noch nicht treffen kannst.

Allgemeines Risiko

Risikohinweis und Zweck dieses Inhalts

Dieser Beitrag erklärt Begriffe und Zusammenhänge. Er enthält keine Handlungsempfehlung.

  • Keine Anlageberatung. HerzTrading ist ein Bildungsangebot. Wir kennen weder deine Vermögenslage noch deine Ziele oder deine Risikotragfähigkeit und geben keine auf dich zugeschnittene Empfehlung ab.
  • Verlustrisiko. Der Handel mit Finanzinstrumenten kann zu erheblichen Verlusten führen. Bei gehebelten Produkten kann der Verlust ein Vielfaches des eingesetzten Betrags erreichen und über den Einsatz hinausgehen.
  • Keine Erfolgszusage. Kein Inhalt auf dieser Seite behauptet eine Trefferquote, einen Erwartungswert oder eine erreichbare Rendite. Beobachtungen aus der Vergangenheit belegen keine künftige Wertentwicklung.
  • Eigene Prüfung nötig. Regeln von Broker, Handelsplatz und Steuerrecht unterscheiden sich. Prüfe die für dich geltenden Bedingungen selbst und ziehe bei Bedarf eine qualifizierte, unabhängige Beratung hinzu.
  • Nur Geld einsetzen, dessen Verlust du tragen kannst. Handle nicht mit Mitteln, die du für Lebenshaltung, Miete, Kredite oder Rücklagen brauchst.

Dieser Kasten fasst zusammen. Verbindlich ist der vollständige Risikohinweis.