Range-Rücklauf-Grundprofil
Hypothese: Innerhalb einer nach eigenen Regeln begrenzten Seitwärtsphase wird ausschließlich zurück in die Range hinein gesucht, nachdem eine Grenze erreicht und nach einer festgelegten Regel abgelehnt wurde. Das ist keine Behauptung eines statistischen Vorteils. Ein möglicher Vorteil muss für Markt, Zeiteinheit, Kosten und konkrete Regeln separat getestet werden.
Was dieses Profil vom Trendfolge-Grundprofil unterscheidet: Beide sind gegenläufig. Trendfolge handelt in Richtung der bestehenden Bewegung und verwirft die Idee, wenn die Struktur bricht. Dieses Profil handelt gegen die letzte Bewegung und verwirft die Idee, wenn sie sich fortsetzt. Zwei Konsequenzen folgen daraus unmittelbar:
Erstens sind die beiden Profile nicht gleichzeitig anwendbar. Welches greift, entscheidet die vorab benannte MarktphaseMarktphase Eine Marktphase ist eine Beschreibung der vergangenen Kursstruktur nach vorab festgelegten Kriterien – einschließlich der Kategorie „unklar"., nicht die Vorliebe.
Zweitens ist das Fehlerbild verschieden. Trendfolge erzeugt viele kleine Fehlversuche in Seitwärtsphasen. Mean Reversion erzeugt seltenere, aber strukturell größere Fehlversuche, wenn aus der Range ein Trend wird. Genau dieser Fall ist der Grund, warum die Ausbruchsdefinition vor der ersten Beobachtung feststehen muss.
Geeigneter Kontext: eine nach eigenen, dokumentierten Kriterien eindeutig begrenzte Seitwärtsphase, deren Breite den strukturellen Stop innerhalb des Risikobudgets trägt. Ungeeigneter Kontext: unklare Struktur, eine bereits nach der eigenen Definition gebrochene Grenze oder ein bevorstehendes Ereignis mit nicht eingeplantem Sprungrisiko.
Abbruch: Der Kurs überschreitet eine Rangegrenze um den vorab festgelegten Betrag, oder der geplante Stop würde das feste Risikobudget überschreiten. Dann wird der Versuch ausgelassen und mit Grund protokolliert.
Auswertungsfalle: Wer nach einer Testreihe die Rangegrenzen verschiebt, damit die Fehlversuche verschwinden, misst nicht mehr die Regel, sondern die eigene Anpassung. Die von der CME Group bereitgestellte Arbeit „Backtesting" von Campbell R. Harvey und Yan Liu in der Fassung vom 28. Juli 2015 hält als gängige Praxis fest, berichtete Sharpe-Verhältnisse aus historischen Backtests um 50 Prozent abzuwerten – begründet mit unvermeidlichem Data Mining. Nenne deshalb bei jedem Ergebnis die Zahl aller getesteten Varianten mit.
Wo die Bausteine hergeleitet werden
Voraussetzungen und No-Trade-Bedingungen
Voraussetzungen
- Marktstruktur und Risiko-Grundlagen verstehen
- Rangegrenzen nach einer festen Regel markieren können
Kein Trade, wenn …
- Die Range ist nach den eigenen Kriterien nicht eindeutig begrenzt
- Der Kurs hat eine Rangegrenze bereits nach der Ausbruchsdefinition überschritten
- Ein terminiertes Ereignis liegt im geplanten Haltezeitraum
- Die Rangebreite trägt den strukturellen Stop nicht innerhalb des Risikobudgets
Regelablauf und Testplan
Long-Ablauf
- Untere und obere Rangegrenze nach einer vorab festgelegten Regel aus bestätigten Swingpunkten markieren und bis zum Testende unverändert lassen
- Prüfen, ob der Kurs die untere Grenze erreicht, ohne die eigene Ausbruchsdefinition zu erfüllen
- Erst nach dem festgelegten Ablehnungssignal handeln oder den Versuch vollständig auslassen
Short-Ablauf
- Untere und obere Rangegrenze nach derselben Regel markieren und bis zum Testende unverändert lassen
- Prüfen, ob der Kurs die obere Grenze erreicht, ohne die eigene Ausbruchsdefinition zu erfüllen
- Erst nach dem festgelegten Ablehnungssignal handeln oder den Versuch vollständig auslassen
Entry
- Vor dem Test eindeutig festlegen, welche abgeschlossene Kursbewegung an der Grenze als Ablehnungssignal zählt
- Einstieg ausschließlich zurück in die Range hinein und niemals allein wegen einer laufenden Kerze
- Bei gleichzeitig erfüllter Ausbruchsdefinition gilt der Versuch als ausgelassen, nicht als Einstieg
Invalidierung
- Long-Hypothese verwerfen, wenn der Kurs die untere Rangegrenze um den vorab festgelegten Betrag unterschreitet
- Short-Hypothese verwerfen, wenn der Kurs die obere Rangegrenze um den vorab festgelegten Betrag überschreitet
- Versuch auslassen, wenn der strukturelle Stop das feste Risikobudget überschreitet
Ziele
- Vor Testbeginn eine beobachtbare Ausstiegsregel innerhalb der Range festlegen und in einer Testreihe unverändert anwenden
- Zeitbasierten Ausstieg getrennt vom kursbasierten auswerten, weil eine Range ohne Bewegung enden kann
- Aus Rangebreite und Ausstiegsregel keine erreichbare Rendite ableiten
Datenbedarf und Frequenz
- Zeitgestempelte Chartdaten mit offenen, höchsten, tiefsten und Schlusskursen für die gewählte Zeiteinheit
- Ausreichende Historie vor jedem Signal, damit beide Rangegrenzen ohne Zukunftsdaten bestimmbar sind
- Handelskalender des Handelsplatzes, damit verkürzte Tage und Feiertage nicht als reguläre Perioden gezählt werden
Eine feste Frequenz wird nicht behauptet; wie oft eine nach eigenen Kriterien gültige Range auftritt, muss je Markt, Zeiteinheit und Regeldefinition im eigenen Test gezählt werden.
Konkrete Testhinweise
- Rangedefinition, Ausbruchsdefinition, Ablehnungssignal, Stop und Exit vor dem ersten Durchlauf schriftlich operationalisieren
- Ausbrüche vollständig mitzählen, statt sie im Nachhinein aus der Stichprobe zu entfernen
- Long- und Short-Fälle sowie zeitbasierte und kursbasierte Ausstiege getrennt zählen
- Gebühren und angenommene Slippage dokumentieren sowie Entwicklung und unabhängige Kontrollstichprobe trennen
Hohes Risiko
Risikohinweis und Zweck dieses Inhalts
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