Akademie-Lektion

Das Orderbuch und seine harten Grenzen

Diese Lektion zeigt, was im Orderbuch sichtbar ist, warum angezeigte Mengen unvollständig sein können und weshalb sich aus Aufträgen keine Absicht ablesen lässt.

Was ein Orderbuch ist

Ein Orderbuch ist eine geordnete Liste unausgeführter Aufträge. Jeder Eintrag hat einen Preis, eine Menge und eine Position in der Warteschlange. Es beschreibt, was im Moment der Betrachtung an unausgeführten Aufträgen vorliegt - nicht mehr.

Für die Ausführung gilt im Börsenhandel das Prinzip der Preis-Zeit-PrioritätPreis-Zeit-Priorität Im Börsenhandel werden zuerst die besten Limits berücksichtigt; bei gleichem Limit wird zuerst ausgeführt, was früher im System eingestellt wurde.: Zuerst werden die höchsten Kauf- beziehungsweise niedrigsten Verkaufslimits berücksichtigt; bei mehreren Orders mit gleichem Limit wird zuerst ausgeführt, was früher im System eingestellt wurde. Diese Regel erklärt, warum die Warteschlangenposition überhaupt eine Größe ist.

Drei Gründe, warum die angezeigte Menge unvollständig sein kann

1. Formatgrenze. Im preisbasierten Format werden Aktualisierungen auf höchstens zehn Preisebenen beschränkt und je Ebene zu einer Gesamtmenge zusammengefasst. Was jenseits der zehnten Ebene liegt, ist in diesem Format schlicht nicht enthalten.

2. Verdeckte Mengen. Die CME Group beschreibt Iceberg-Orders ausdrücklich: Bei börsenseitig gehaltenen Icebergs behält die aufgefrischte Order dieselbe OrderID wie die ursprüngliche. Für Teilnehmer, die genau diese Erkennbarkeit vermeiden wollen, verweist die CME auf Drittanbieterlösungen mit synthetischen Icebergs, deren aufgefrischte Mengen als neue Orders mit neuer OrderID beim Handelsplatz eingehen.

Daraus folgt unmittelbar: Die angezeigte Menge an einem Preis kann kleiner sein als die tatsächlich dahinterstehende. Eine „dünne“ Ebene ist nicht notwendig dünn.

3. Stornierbarkeit. Ein unausgeführter Auftrag ist eine jederzeit widerrufliche Absichtserklärung. Er wird zu einer Tatsache erst, wenn er ausgeführt wird. Ein Orderbuch zeigt also nicht, was passieren wird, sondern was in diesem Augenblick bereitgestellt und nicht zurückgezogen ist.

Was sich daraus nicht ableiten lässt

  • Wer handelt. Die Daten enthalten keine kundenidentifizierenden Informationen; sichtbar sind einzelne Orders, keine Firmenkennungen.
  • Warum jemand handelt. Eine Order kann eine Absicherung, eine Anpassung, eine Pflicht aus einer anderen Position oder ein Teil einer größeren Ausführung sein.
  • Ob ein Auftrag bestehen bleibt, bis der Kurs ihn erreicht.
  • Wie viel insgesamt an einem Preis liegt, wenn verdeckte Mengen möglich sind.

Wer diese vier Punkte in eine Regel schreibt, schreibt eine Interpretation. Das ist zulässig - aber dann gehört sie als subjektiver Prüfpunkt gekennzeichnet und nicht als Beobachtung.

Was das Orderbuch nicht zusichert

Auch eine gut gefüllte Ebene ist keine Ausführungszusage. Die BaFin beschreibt mehrere davon unabhängige Punkte: TeilausführungenTeilausführung Bei einer Teilausführung wird eine Order nur teilweise ausgeführt; ob dabei mehrfach Gebühren anfallen, entscheidet das jeweilige Institut. sind systembedingt möglich; ob dabei mehrfach Gebühren anfallen, entscheidet das jeweilige Institut; eine Stop-Limit-Order wird gelöscht, wenn sich zum festgelegten Limit kein Gegenüber findet; und der Handel mit einem Finanzinstrument kann ausgesetzt werden, wenn es zur Sicherung eines ordnungsgemäßen Handels oder zum Schutz der Anlegerinteressen erforderlich erscheint.

Übung ohne Speicherung

Beobachte eine Preisebene über mehrere Minuten und notiere auf Papier: Wie oft änderte sich die angezeigte Menge, ohne dass eine Transaktion stattfand? Wie oft wurde die Ebene erreicht, und was geschah dann? Wie oft blieb eine große angezeigte Menge nach dem Erreichen bestehen?

Notiere anschließend in einem Satz, was du beobachtet hast - ohne Aussage darüber, warum es geschah oder was daraus folgt.

Erhöhtes Risiko

Risikohinweis und Zweck dieses Inhalts

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