Akademie-Lektion

Volumenprofil als Konstruktion verstehen

Diese Lektion zeigt, welche Entscheidungen in ein Volumenprofil eingehen, warum zwei Profile desselben Tages abweichen und was sich daraus nicht ableiten lässt.

Ein Profil ist keine Messung, sondern eine Zuordnung

Ein VolumenprofilVolumenprofil Ein Volumenprofil verteilt gehandelte Mengen auf Preisbereiche; fünf dokumentationspflichtige Entscheidungen bestimmen, wie es aussieht. verteilt gehandelte Mengen auf Preisbereiche. Bevor eine einzige Linie entsteht, sind mehrere Entscheidungen bereits getroffen worden - und jede davon verändert das Bild.

| Entscheidung | Typische Varianten | Wirkung | |---|---|---| | Zeitraum | Handelstag, Session, Woche, frei gewählte Spanne | verschiebt Schwerpunkt und Ränder vollständig | | Sessiongrenzen | Börsenhandelszeit, erweiterte Zeiten, eigene Definition | entscheidet, welche Umsätze überhaupt zählen | | Preisauflösung | ein Tick, mehrere Ticks, prozentuale Klassen | erzeugt schärfere oder glattere Verteilungen | | Datenbasis | nur Referenzhandelsplatz oder inklusive weiterer Plätze | verändert Mengen und Extreme | | Zuordnungsregel | Preis der Ausführung, Zeitanteil, Tickzuordnung | erzeugt bei denselben Daten unterschiedliche Profile |

Zwei Profile desselben Instruments und desselben Tages können deshalb deutlich abweichen, ohne dass eines davon falsch gerechnet wäre. Ohne Angabe dieser fünf Punkte ist ein Profil nicht reproduzierbar.

Was der Handelskalender damit zu tun hat

Feiertage, verkürzte Handelstage und Auktionszeiten verändern die Menge und ihre zeitliche Verteilung. Die Deutsche Börse veröffentlicht den HandelskalenderHandelskalender Der Handelskalender eines Handelsplatzes nennt Feiertage, verkürzte Handelstage und Auktionszeiten – sie erzeugen Lücken und ungewöhnliche Intervalle. für Xetra gesondert; vergleichbare Kalender gibt es für andere Handelsplätze.

Ein Profil, das einen verkürzten Handelstag wie einen vollen behandelt, vergleicht Ungleiches. Trage die Sondertage deines Untersuchungszeitraums deshalb vorab ein, statt sie später zu erklären.

Aggregation ist nie neutral

Dass Aggregation methodische Entscheidungen enthält, zeigt sich auch bei börseneigenen Kennzahlen. Für ihr Liquiditätswerkzeug beschreibt die CME Group unter anderem: Das Orderbuch ist für zehn Ebenen strukturiert; über jede Sekunde wird ein zeitgewichteter Durchschnitt gebildet und danach auf Minuten-, Stunden- und Tagesebene weiter gemittelt; in Sekunden ohne Aktivität werden die Werte der Vorsekunde eingesetzt, weil weiterhin Liquidität vorhanden sei; und in die Durchschnitte gehen ausschließlich Zeiten mit geöffnetem Markt ein.

Jede dieser Entscheidungen ist nachvollziehbar begründet - und jede verändert das Ergebnis. Genau dasselbe gilt für dein Volumenprofil.

Was sich aus einem Profil nicht ableiten lässt

  • dass ein Bereich mit hoher Menge künftig erneut eine Rolle spielt;
  • dass ein Bereich mit geringer Menge schneller durchlaufen wird;
  • welche Marktteilnehmer die Menge erzeugt haben oder warum;
  • ob dieselbe Menge bei anderer Zuordnungsregel an derselben Stelle läge.

Ein Profil beschreibt, wo gehandelt wurde. Was daraus folgt, ist eine Behauptung - und für Behauptungen gilt der Maßstab aus der Methodikseite zu Backtest und Replay: dokumentierter Datensatz, vorab formulierte Regeln, getrennte Prüfdaten, Kostenannahme und gezählte Ausschlüsse.

Übung ohne Speicherung

Erzeuge für denselben Handelstag zwei Profile, die sich in genau einer Entscheidung unterscheiden - zum Beispiel in den Sessiongrenzen oder in der Preisauflösung. Notiere auf Papier, welche Bereiche sich verschieben und welche stabil bleiben.

Halte anschließend fest, welche der fünf Entscheidungen du bisher nie dokumentiert hast. Genau diese Angabe fehlt in deinen bisherigen Auswertungen.

Erhöhtes Risiko

Risikohinweis und Zweck dieses Inhalts

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Dieser Kasten fasst zusammen. Verbindlich ist der vollständige Risikohinweis.